Sächsische Zeitung vom 08.09.18: Hilfspaket für Hebammen geplant

Kommentar des „Sächsischen Hebammenverbandes“

Den Artikel lesen

Erst einmal vielen Dank, dass die Fraktionen der Grünen, der SPD und Linken die Hebammen in Dresden mit einem gesonderten Programm unterstützen wollen.

Der SHV möchte dies wie folgt kommentieren:

  • Für die Kolleginnen, die den Sicherstellungszuschlag beantragen, ist die monetäre Unterstützung pro Geburt keine wirkliche Unterstützung, denn sie müssen bei der Beantragung jegliche Art von Einkommen offenlegen. So auch das vielleicht gezahlte Geld der Stadt Dresden. Im Umkehrschluss findet durch die Stadt damit eine Refinanzierung der Krankenkassen statt. Hier sollten Sie genau überlegen, ob das so sinnvoll ist. Wird es wiederum nur den Kolleginnen ausgezahlt, die keinen Sicherstellungszuschlag beantragen, spaltet es die Hebammenschaft.
  • Eine Unterstützung für stattgefundene Hausbesuche ist prinzipiell eine gute Sache, aber laut den Ergebnissen der IGES-Studie arbeiten die Kolleginnen schon an ihrer Kapazitätsgrenze. Jetzt einen finanziellen Anreiz zu setzen vielleicht noch mehr Hausbesuche zu übernehmen wird sehr kritisch gesehen, da dann sicherlich die Qualität auf Kosten der Quantität leidet.
    Hinzu kommen folgende Fragen: Wieviele Hausbesuche muss die Kollegin machen, damit Sie die Förderung erhält? Ist es nur für Dresdener Hebammen oder nur für die Frauen in Dresden? Wie wird hier unterschieden? Welche Daten werden wie weiter gegeben, damit die Kolleginnen die Förderung beantragen können? Ist es mit dem Datenschutzgesetz vereinbar?
  • Es ist sehr lobenswert, dass sie die außenklinischen Geburten mit ihrem Programm unterstützen wollen und wir sehen das als sehr wichtiges Zeichen. Aber in Sachsen finden 95% aller Geburten im Krankenhaus statt. Mit Ihrem angedachten Programm haben wir Bedenken, dass noch mehr Kolleginnen aus den Kliniken gehen und die personelle Situation dort noch katastrophaler wird. Schon jetzt arbeiten die Kolleginnen in den Kliniken an Ihren Grenzen. Es werden in aller Regel 3 von 4 Wochenenden Dienst „geschoben“, selten ist der Feierabend pünktlich, Überstunden stehen auf der Tagesordnung, Urlaubszeiten werden aufgrund Personalmangels gestrichen, Rufbereitschaften müssen regelmäßig besetzt werden etc.
    Hinzu kommt, dass der Expertinnenstandard „Förderung der physiologischen Geburt“ nicht im geringsten eingehalten werden kann, da es an der Tagesordnung ist, dass eine Hebamme in einem Dienst meist zwischen zwei und fünf Frauen gleichzeitig betreut/betreuen muss.
    Die Liste der Missstände in den Kliniken ist beliebig erweiterbar. Deshalb meine Bitte: Denken Sie in Ihrem Programm bitte auch an die klinisch tätigen Hebammen, denn 95% aller Geburten in Sachsen finden dort statt.
  • Die Idee der kostenfreien Parkplätze oder der E-Bikes ist super. Das findet bestimmt großen Zuspruch.
  • Bitte tragen Sie diese Ideen auch in die anderen Landkreise weiter. Denn auch dort gilt es, den werdenden Eltern bestmögliche Hebammenunterstützung und -begleitung zuteil werden zu lassen.

Danke!